Auf der Basis einer Umfrage und Gesprächen behandelt der Beitrag das Sprachverhalten sowie die Entwicklungsperspektiven von Migrationssprachen südasiatischer Bevölkerungsgruppen in Grossbritannien. Es wird untersucht, inwieweit das Sprachverhalten Aufschluss über die Identitätskonstruktion bei den indo-pakistanischen Minderheiten in Manchester geben kann. Sprache wird dabei als psychosozialer Prozess bei der Identitätskonstruktion aufgefasst. Unterschiede im Sprachverhalten werden geschlechtsspezifisch differenziert.

Sozioprofessionnelle Unsicherheit und Sprachverhalten bedingen einander in der untersuchten Gruppe mit hohem ethnischen und sprachlichen Bewusstsein . Die Sprache ist ein zentraler Faktor bei Prozessen der Identitätskonstruktion : Englisch für den sozialen Aufstieg ; die Gruppensprache für die Integration in parallel funktionierende soziale und sprachliche Kreise. In dem multilingualen Kontext dieser Gruppengemeinschaften kann die Sprachwahl nicht isoliert von der Kommunikationssituation untersucht werden.

Der Beitrag behandelt zunächst das Verhältnis zwischen dem Alphabetisierungsniveau in der Muttersprache und dem Niveau im Englischen und dann das Verhältnis zwischen Sprache in der Familie und Arbeitssprache. Die Interaktion zwischen den Kontaktsprachen favorisiert das Aufkommen eines bilingualen oder plurilingualen synkretischen Kodes.

Es konnte festgestellt werden, dass in den meisten Fällen das Niveau der Alphabetisierung im Englischen im proportionalen Verhältnis zum Niveau der muttersprachlichen Alphabetisierung steht, dass die Muttersprache unabhängig vom sozioprofessionnellen Status die Familiensprache bleibt und dass Englisch die Arbeitssprache ist von Sprechern mit höherem Bildungsniveau, die in beide Kultur-und Sprachsysteme integriert sind.

Es wird deutlich, dass das Sprachverhalten von Machtverhältnissen bestimmt ist, derer sich die Sprecher nicht unbedingt bewusst sind : Die Aufrechterhaltung der Gruppensprachen erscheint uns ein wesentlicher Faktor bei der Identitätskonstruktion genauso wie das Beherrschen der englischen Sprache für die Konstruktion der sozialen Identität innerhalb der britischen Gesellschaft wesentlich ist.